
Die Tarifbeschäftigten im Justizvollzug Baden-Württemberg sind weiterhin bereit, ihre Interessen mit Nachdruck zu vertreten. Um diese wertvolle Aufgabe auch in Zukunft erfolgreich fortzuführen, setzt die Fachgruppe auf eine rechtzeitige Förderung nachfolgender Generationen.
Im Rahmen der jüngsten Sitzung im Juli in Stuttgart stellte die langjährige Tariffachgruppensprecherin für den BSBD Baden-Württemberg, Sabine Glas (JVA Karlsruhe), ihr Mandat zur Verfügung.
Die Fachgruppe dankt ihr herzlich für das langjährige Engagement und wählte im Anschluss ein neues Führungsteam:
Stellvertretender Vorsitzender: Alexander Fritz (JVA Adelsheim)
Wir gratulieren der neuen Führung sehr herzlich zur Wahl, freuen uns auf die Zusammenarbeit und wünschen eine erfolgreiche sowie glückliche Hand bei den anstehenden Aufgaben. Das neue Team wird die aktuellen Kernthemen direkt mit großem Engagement weiterverfolgen.
Rückblick und Ergebnisse: Tarifverhandlung TV-L 2026
Andrea Marker berichtete in ihrer Funktion als damalige erste stellvertretende Streikleiterin von der erfolgreichen Kundgebung in Stuttgart. Ihr Appell richtet sich erneut eindringlich an alle Tarifbeschäftigten: Es gilt, auch in Zukunft Flagge zu zeigen und durch persönliche Präsenz vor Ort den eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Die erzielte Tarifeinigung (TV-L 2026) bringt konkrete Anpassungen für Beschäftigte und Nachwuchskräfte:
Lineare Entgelterhöhungen (+5,8 % in drei Schritten):
Zulagen (ab Juli 2026): Die Schichtzulage steigt von 40 auf 100 Euro monatlich, die Wechselschichtzulage von 105 auf 200 Euro monatlich.
Ausbildung, Studium und Praktika: Die Entgelte erhöhen sich in drei Schritten um insgesamt 150 Euro (60 € / 60 € / 30 €). Zudem konnte die unbefristete Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung erneut festgeschrieben werden.
Dauerbaustelle Entgeltordnung: Sicherheit und Anstaltsfrieden gemeinsam stärken
Trotz des Tarifabschlusses bleibt der Fokus der Fachgruppenarbeit auf einem ungelösten Problem: Der veralteten Entgeltordnung. Diese passt längst nicht mehr zur modernen Arbeitswelt. Die wiederkehrende Blockade der Tarifvertragsparteien bei notwendigen Anpassungen führt zu einer massiven Unterbewertung moderner Aufgabenprofile.
Im Allgemeinen Vollzugsdienst (AVD) leisten Tarifbeschäftigte und Beamte täglich gemeinsam Dienst unter Hochrisikobedingungen. Auch die Kolleginnen und Kollegen in den Geschäftsstellen tragen unverzichtbar zum Funktionieren der Justizvollzugsanstalten bei. Dennoch stößt der Tarifbereich auf ungerechte Grenzen:
Die „Entgeltmauer“ im AVD: Während im beamteten mittleren Dienst – auch durch das „4-Säulen-Modell“ – Entwicklungsmöglichkeiten bis A10 bestehen, ist für Tarifbeschäftigte bei absolut deckungsgleichem Aufgabenprofil tarifvertraglich bei E7 Schluss.
Strukturelle Unterbewertung in den Geschäftsstellen: In den Haupt- und Vollzugsgeschäftsstellen, Zahlstellen sowie im Arbeitswesen verwalten Tarifbeschäftigte hochkomplexe Prozesse in den Entgeltgruppen E5 bis E8 (nur in Ausnahmefällen E9). Dieselben Dienstposten sind im Beamtenbereich oft bis A10 bewertet. Trotz identischer fachlicher Verantwortung findet hier eine systematische Entwertung der tariflichen Arbeitsleistung statt.
Karrierepfade für alle: Wege aus dem Fachkräftemangel
Die Personalgewinnung darf sich nicht allein auf die Verbeamtung stützen. Gerade im tariflichen Bereich liegen erhebliche, ungenutzte Potenziale. Wer über 42 Jahre alt ist, kann in Baden-Württemberg in der Regel nicht mehr verbeamtet werden. Steigen erfahrene Fachkräfte als Quereinsteiger bei uns ein, verbringen sie oft Jahrzehnte im Angestelltenverhältnis. Stoßen sie dann auf starre Tarifgrenzen, verliert die Justiz den Wettbewerb um die Besten.
Wir brauchen durchlässige Karrierepfade und Qualifizierungsprogramme, die nicht an starren Altersgrenzen oder Laufbahnverordnungen scheitern. Wer durch langjährige Berufserfahrung das nötige Know-how besitzt, muss aufsteigen können. Eine moderne Personalpolitik bedeutet: Attraktive Bedingungen, faire Vergütung und echte Entwicklungsperspektiven für alle.
Appell an die Politik
Die Fachgruppe regt bei der Politik nachdrücklich an, landesspezifische Spielräume endlich zu nutzen. Baden-Württemberg schöpft bestehende Ermessensspielräume (wie landesspezifische Zulagen oder Sonder-Eingruppierungsrichtlinien) kaum aus.
Zudem erwächst durch das Europäische Entgelttransparenzgesetz ein zunehmendes rechtliches Risiko bei derart eklatanten Lohnunterschieden für identische Tätigkeiten.
Wir werden weiterhin entschlossen für unsere Rechte kämpfen und uns für eine bessere Zukunft aller Beschäftigten im Justizvollzug einsetzen. Gemeinsam mit den Tarifvertragsparteien und der Politik gilt es nun, eine faire und zukunftsfähige Lösung zu finden.
Bericht: Sabine Glas